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Auf einen Kafi bei Erika Lüthi: Die Familie vom Hubehof bringt eine CD raus

Erika Lüthi hat mit ihren vier Töchtern als Schwyzerörglifamilie Lüthi ihre erste CD herausgebracht. BERN-OST hat sie zum Gespräch auf ihrem Hof in Oberdiessbach getroffen. Sie erzählt von ihren ersten Auftritten und wie modern die Volksmusik sein darf.

Erika Lüthi: «Es ist ein schönes Gefühl.» (Foto: zvg)
Erika Lüthi und ihre Töchter Vanessa, Fiona, Michelle und Livia. (Foto: zvg)
Das CD-Cover der Schwyzerörgelifamilie Lüthi vom Hubehof. (Foto: zvg)

An einem frostigen Dezembermorgen besuchen wir Erika Lüthi auf dem Hubehof oberhalb von Oberdiessbach. Mit einem herrlichen Blick auf Blümlisalp, Niesen und Stockhorn erzählt sie von der «Schwyzerörglifamilie Lüthi» und wie es zur ihrer ersten CD kam. Was mit einem Ländlertreffen begann, ist heute eine Herzensangelegenheit der ganzen Familie – im Mittelpunkt steht immer die Freude an der Musik.

 

Es begann im Kreuz Wichtrach

Erika Lüthi (48) ist in Wichtrach aufgewachsen und lebt seit 20 Jahren in Oberdiessbach. Auf der CD nennen sie sich Schwyzerörglifamilie Lüthi vom Hubehof. Lüthi hat die Volksmusik sozusagen in die Wiege gelegt bekommen. «Schon der Grossätti hat immer Schwyzerörgeli gespielt», sagt sie. Die Musik habe ihr schon damals gefallen. Nach einem Besuch bei einem Ländlertreffen mit ihren Eltern war klar: Erika wollte Schwyzerörgeli spielen und nahm Unterricht. Sie spielte in der Formation Chisetal und übte daneben viel mit ihrem Grossvater.

 

Volksmusik bedeutet Heimat

Erika Lüthi beschreibt ihre Verbindung zur Volksmusik als sehr emotional: «Für mich ist es Heimat. Es wirkt auf mich wie ein Fest, eine schöne Stimmung, es gibt mir ein gutes Gefühl.» Es gehe ihr auch darum, die schönen Traditionen zu pflegen und weiterzugeben. «Wir machen das, weil es Freude macht und es von Herzen kommt.» Als ihre Kinder zur Welt kamen, ging es bei Lüthis weiter mit der Musik. Die Mutter spielte oft auf dem Örgeli, was sich wiederum auf die Töchter abfärbte. Auch diese wollten schon als kleine Kinder selbst spielen.

 

Doch Lüthis hielten sich an einen Tipp vom Musiklehrer: «Das ideale Alter, um ein Instrument zu lernen liegt bei acht Jahren. Wenn sie zu früh beginnen mit Spielen, ist die Chance gross, dass sie abbrechen.» Bei Lüthis Töchtern hat dies funktioniert, alle vier spielen heute noch.

 

Ab auf die Bühne

Ihre ersten Auftritte hatten sie an Altersnachmittagen, Familienfeiern oder bei Geburtstagen von Bekannten. Es sprach sich schnell rum, Lüthis traten hier und da auf. Damals spielten alle fünf Schwyzerörgli. «Es hiess dann immer nach den Konzerten, es fehle noch eine Bassgeige», erzählt Lüthi lachend. Sie nahm darauf Unterricht, lernte Bassgeige spielen, womit die heutige Formation geboren war. Erika Lüthi steht am Bass, die Töchter Livia (13), Michelle (15), Fiona (16) und Vanessa (18) ziehen am Schwyzerörgeli.

 

Es werden mehr

«Heute spielen wir auf Jodlerkonzerten, meistens in der Umgebung. Wir hatten auch schon Konzertanfragen von weiter weg, was aber organisatorisch schwierig ist, weil die Kinder noch zur Schule gehen oder in der Ausbildung sind», sagt Lüthi. Wichtig sei, dass es immer noch Freude mache und nicht zu stressig werde. Zu einem wiederkehrenden Auftritt kommt es jedes Jahr im Sommer, wenn sie an der Hubehof Chiubi auftreten. Dort treffen sich die Leute aus der Umgebung, sitzen zusammen und erfreuen sich an der Musik.

 

Traditionelle oder moderne Volksmusik

Von der Musik her, spielen sie eher traditionell, haben aber auch schon Schlager ins Repertoire eingebaut. «Viele in der Szene finden dies schade, sie denken, dass man so die Volksmusik verhunze», so Lüthi. Sie und ihre Töchter sehen das anders: «Ich finde es gut, wenn man auch mal was Neues wagt.» Nach etlichen Auftritten, gibt es jetzt eine CD von ihnen.

 

Sie wurden im Internet entdeckt

Die CD entstand aus dem Nichts, nachdem ein Musikliebhaber die Familie auf Youtube entdeckt hatte. Er lud sie ins Studio ein, sie nahmen die Stücke auf, heute hält sie die CD stolz in den Händen und sagt: «Es ist ein schönes Gefühl. Für uns ist es eine bleibende Erinnerung.» Sie haben bereits einen Termin bei einem Lokalradio, wo sie die CD vorstellen können.

 

Wer soll singen?

Reicht es sogar für einen Auftritt im Fernsehen? Erika Lüthi bleibt geerdet und antwortet: «Wenn wir damit Erfolg haben, ist das schön. Aber auf dem Boden bleiben ist auch wichtig.» Ihre musikalischen Vorbilder seien die Genderbüebu aus dem Wallis. «Die singen und spielen eine modernere Schwyzerörglimusik», so Lüthi. Auf Gesang haben Lüthis auf ihrer neuen CD noch verzichtet, der Grund sei: «Bis jetzt will keine der Töchter singen. Sie könnten das zwar, aber es fehlt noch am Mut.»

 

Ob mit Gesang oder ohne – für Erika Lüthi zählt vor allem eines: Die Musik bleibt eine Quelle der Freude und der Familienzusammenhalt wird weiter gepflegt. Denn das ist es, was für sie und ihre Töchter zählt: «Ä schöni Zyt» zusammen zu haben. Ob auf dem Hubehof mit Blick auf die Alpen oder bei einem Auftritt, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen.

 

[i] Neue CD: Schwyzerörglifamilie Lüthi vom Hubehof - «Ä schöni Zyt».

Sie kann als CD oder USB-Stick für 28 Franken plus 4 Franken Porto per Mail oder Whatsapp (079 454 84 40) bestellt werden.

 


Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 17.12.2024
Geändert: 17.12.2024
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