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New Roots Oberdiessbach: Die vegane Molkerei sahnte ab
Erneut hat das Oberdiessbacher Unternehmen New Roots eine Auszeichnung für seine pflanzlichen und nachhaltigen Produkte gewonnen: Die erste vegane Molkerei der Schweiz wurde zuerst von der «Bilanz» ausgezeichnet. Jetzt erhielt sie auch den Green Business Award.
Alice Fauconnet und Freddy Hunziker hatten offensichtlich einen guten Riecher, als sie 2015 beschlossen, alles hinter sich zu lassen und zuerst in Thun, später in Oberdiessbach veganen Käse zu entwickeln: Ihr Unternehmen New Roots hat sich in den zehn Jahren zu einem stolzen Unternehmen mit 40 Mitarbeitenden entwickelt. Und gleich zwei wichtige Auszeichnungen eingeheimst: Nachdem die «Bilanz» New Roots zum innovativsten Schweizer Unternehmen 2025 gekürt hatte, gewinnt das Unternehmen jetzt den Green Business Award.
«Wichtigster Nachhaltigkeitspreis»
Dieser Award ist gemäss Angaben der Organisator:innen «der wichtigste Nachhaltigkeitspreis der Schweizer Wirtschaft», ausgestellt von Schweizer Wirtschaftsorganisationen, dem WWF und dem Bund. «Grüne Revolution in der Lebensmittelindustrie», schreiben die Verantwortlichen des Award in einer Medienmitteilung über New Roots. Die Auszeichnung hätten sie dem Unternehmen aus folgendem Grund verliehen: «Sie produzieren pflanzliche Käse- und Molkereiprodukte nach traditionellem Schweizer Herstellverfahren. Und reduzieren damit den CO2-Ausstoss um bis zu 60 Prozent gegenüber herkömmlichem Käse aus Kuhmilch.»
Cashew und ökologisch?
Diese Zahl erstaunt im ersten Moment: Cashew als Kuhmilch-Ersatz klingt für Laien nicht unbedingt ökologisch. Auf ihrer Homepage erklären Fauconnet und Hunziker jedoch am Beispiel des Weichkäses Soft White im Detail, wie das sein kann, und auch, wie das kontrolliert wird. Die Auswirkungen seien von Eaternity nach vier Kriterien berechnet worden, erklären sie, und nebst dem CO2-Ausstoss würden auch Wasser, Tierschutz und Tropenwald einbezogen.
So wird das berechnet!
Diese Berechnung habe in allen Bereichen drei von drei Sternen erhalten, denn bei Cashewnüssen handle es sich um einen «Rohstoff, der in der Natur ohne besondere Behandlung wächst und nicht viel Wasser braucht». Auch für die «handwerkliche Herstellung» würden beinahe zwei Drittel weniger Wasser benötigt als bei der Herstellung eines Schweizer Camemberts aus Kuhmilch.
Alte Käsetradition mit neuen Zutaten
Unter anderem, so schreibt das New Roots-Team in seiner Mitteilung, gelinge diese Einsparung beim Wasserverbrauch «durch die Verbindung jahrhundertealter Schweizer Käsetradition mit innovativen pflanzlichen Zutaten wie Cashews und Lupinen». Ihr erklärtes Ziel – nebst der ökologischen Produktion – lautet: «Authentische Aromen und Texturen.» Denn Schweizer:innen, so ist zu lesen, essen pro Kopf jedes Jahr rund 23 Kilo Käse. «Was viele nicht wissen: Käse ist das Lebensmittel mit dem zweitgrössten ökologischen Fussabdruck – direkt nach Rindfleisch.»
Muss massentauglich sein und sich auszahlen
Soll das ändern, muss also nicht nur irgendein ökologischer Ersatzkäse angeboten werden. Sondern einer, der massentauglich schmeckt. Und die Herstellung soll nicht nur ökologisch vertretbar sein, sondern sich auch auszahlen. Denn der Green Business Award zeichnet jeweils Unternehmen aus, «die ökologische Innovation und wirtschaftliche Tragfähigkeit vereinen».
Und das hat New Roots offensichtlich geschafft: Ihre ökologischen Produkte finden so grossen Absatz, dass sie inzwischen von Geschäften wie Coop, Migros, Alnatura und Bioläden und sogar in Gastrobetrieben in der Schweiz, Deutschland und Österreich vertrieben werden.
Heute gelte: Käse ohne Kühe
Vor dreitausend Jahren, erklärt der umtriebige New Roots-Gründer Freddy Hunziker in der Mitteilung zum Award, sei es «eine Revolution gewesen, Kühe zu halten und Kuhmilch zu Käse zu verarbeiten». Heute bestehe die Revolution darin, «Käse ohne Kühe herzustellen». Indem New Roots die Käsetraditionen durch ursprüngliche Fermentations- und Reifungsprozesse ehre, möchte man «einen ressourcenintensiven Sektor in ein zukunftsorientiertes Modell verwandeln». Oder, einfacher formuliert: «Das Käserad tatsächlich neu erfinden!»
«Ein mutiger Schritt»
Die Auszeichnung freut deshalb das Unternehmerteam umso mehr. «Die Tatsache, dass Green Business Switzerland ein veganes Käseunternehmen – mitten im Herzen der Schweizer Käsetradition – auszeichnet, ist ein mutiger Schritt», kommentiert Alice Fauconnet in ihrer Mitteilung.
[i] New Roots
Die Geschichte von New Roots beginnt mit einem Sport-Unfall: Um sich von seiner Verletzung zu erholen, stellte der ehemalige Mountainbike-Profi Freddy Hunziker auf vegane Ernährung um. Doch ihm fehlten leckere Käsealternativen. Also begann er gemeinsam mit Alice Fauconnet selbst an Alternativen zu herkömmlichem Käse zu forschen. Seit 2016 entwickelt, produziert und verkauft New Roots pflanzliche und proteinreiche Käse- und Molkereialternativen aus Cashew, Lupinen oder Kichererbsen. Die Produkte verursachen rund 60 Prozent weniger CO₂ und verbrauchen 40 Prozent weniger Wasser als Kuhmilchprodukte und reduzieren dadurch den ökologischen Fussabdruck erheblich. New Roots setzt auf traditionelle Schweizer Herstellverfahren und arbeitet eng mit lokalen Käsereien und Landwirtschaftsbetrieben zusammen. Die ersten Produkte verkauften die Gründer auf dem Wochenmarkt in Thun – heute sind ihre pflanzlichen Frischkäse, Fondue oder Raclettealternativen unter anderem in der Migros und im Coop erhältlich und können online bestellt werden.
Der Green Business Award zeichnet seit 2019 jährlich die innovativsten Schweizer Unternehmen aus, die ökologischen Impact mit ökonomischem Erfolg verbinden. In der ersten Phase des Auswahlprozesses nominieren rund 20 nationale Scouts aus Wirtschaft und Umweltschutz die besten Lösungen ihrer Branche für den Award. Daraus zeichnet eine interdisziplinär zusammengesetzte Fachjury die fünf besten Lösungen mit dem Label Green Business Excellence aus.
Erstellt:
20.02.2025
Geändert: 20.02.2025
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